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WeiĂźgerber
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Ein WeiĂźgerber, auch Ircher genannt, war ein Handwerker, der mit der WeiĂźgerberei eine spezielle Art der Gerberei ausĂĽbte.

Contents

• Sonstiges
• Literatur
• Weblinks

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Handwerk der WeiĂźgerberei

Die WeiĂźgerberei ist ein Gerbverfahren, bei dem die Umwandlung zu Leder durch die Stabilisierung und Konservierung mit Mineralien bewirkt wird, wie Alaun oder Kochsalz. Das WeiĂźgerben, auch Mineralgerbung genannt, erzeugt ein besonders helles, fast weiĂźes Leder.

Das Weißgerben wurde vor allem für feinere und dünnere Leder von Kalb, Schaf und Ziege eingesetzt. Die daraus gewonnenen Lederqualitäten Glacé (Kalbsleder), Chevreau oder Kid (beides Ziegenleder), wurden vorzugsweise zu Handschuhen, Beuteln, Buchdecken und Etuibezügen weiterverarbeitet.

Eng verwandt mit der Weißgerberei – da sie ebenfalls bei dünneren Ledersorten zum Einsatz kam – ist die vor allem in Skandinavien und dem Baltikum verbreitete Sämischgerbung, bei der als Gerbstoffe tierische Fette (vor allem Wal-, Seehund-, Fisch- und Lebertran) zum Einsatz kamen. Sämischleder – auch Waschleder genannt – ist sehr weich und widerstandsfähig gegen Wasser, sodass es bevorzugt zu Handschuhen, Reithosen oder Arbeitsschürzen verarbeitet wurde. Auch das sogenannte Putz- oder Fensterleder war ursprünglich sämisch gegerbt.

Geschichte der WeiĂźgerberei

Im Gegensatz zu vielen anderen Handwerken entwickelte sich in der Gerberei bereits im Mittelalter eine Spezialisierung anhand von Verfahren und zu verarbeitendem Material. So entstanden die Gewerke der Lohgerber oder Rotgerber, Sämischgerber, Corduaner und eben der Weißgerber. In der Handwerkerhierarchie des Mittelalters und der Frühen Neuzeit standen die Weißgerber hinsichtlich Ansehen, Ruf und Einkommen unter den Rot- oder Lohgerbern.

Im Jahr 1813 wurde als ein Zentrum besonders guter WeiĂźgerbereien Erlangen hervorgehoben, wo sich zudem gute Handschuhmanufakturen befanden, sowie Idstein mit groĂźen WeiĂźgerbereien.cite-ref-schedel-1-0[1]

Mit dem Beginn der Mechanisierung in der Gerberei und der Einführung der Gerbung mit Metallsalzen (Chromgerbung) im 19. Jahrhundert verschwanden zunächst in den Städten, dann auch im ländlichen Raum die spezialisierten Gerberhandwerke und damit auch die Weißgerber.

Relikte des alten Handwerks

Wie alle Gerber hatten auch die Weißgerber einen hohen Wasserbedarf, sodass sie ihre Werkstätten meist an Wasserläufen hatten. Da durch das Waschen des Leders das Wasser stark verschmutzt wurde, ordneten viele mittelalterliche Stadtordnungen ihre Ansiedlung am Ortsrand an den Unterläufen der Flüsse an. Straßennamen in den alten Innenstädten zeugen bis heute von diesen Standorten:

• Weißgerbergraben (Regensburg)cite-ref-2[2] ,
• Weißgerbersteig (Bad Abbach),
• Weißgerberstraße (Greifswald, Lupburg, Mühldorf am Inn, Rostock) oder
• Weißgerberlände, Weißgerberstraße (Wien)
• Irchergasse im 16. bis 18. Jahrhundert in München, heute: Ledererstraße.

Sonstiges

• Ein Stadtteil in Wien trägt den Namen Weißgerber; auch Familiennamen wie „Weißgerber“ bzw. „Weisgerber“ leiten sich von diesem Handwerk ab.
• Ein literarisches Denkmal in Form einer beeindruckenden Milieustudie vom 19. Jahrhundert bekam die Weißgerberohle zu Breslau in dem Roman Soll und Haben von Gustav Freytag.

• In Doberlug-Kirchhain ist diesem der Vergangenheit angehörenden Handwerk in eigenes Museum gewidmet, im Freilichtmuseum Hagen gibt es ein Weißgerber- und Kürschnerhaus, in dem dieses Handwerk ebenfalls anschaulich dokumentiert ist.

Literatur

• Freytag, Gustav: Soll und Haben. Ausgabe in zwei Bänden. Berlin, Verlag der Schiller-Buchhandlung o. J.
• Kühnel, Harry (Hrsg.): Alltag im Spätmittelalter. Graz, Wien, Köln Styria 1986 (3); ISBN 3-222-11528-1
• Palla, Rudi: Verschwundene Arbeit. Ein Thesaurus der untergegangenen Berufe. Frankfurt am Main, Wien Büchergilde 1995, ISBN 3-7632-4412-3

Weblinks

Commons

: Gerber und WeiĂźgerber

– Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Commons

: Gerber und WeiĂźgerber in alten Bildern

– Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

• Veröffentlichungen zu Weißgerbern im RI-Opac
• Weißgerbermuseum Doberlug-Kirchhain
• Freilichtmuseum Hagen

Einzelnachweise

cite-note-schedel-11. ↑ Johann Heinrich Moritz Poppe: Johann Christian Schedels neues und vollständiges, allgemeines Waaren-Lexikon […]. Zweiter Teil M bis Z. Vierte durchaus verbesserte Auflage, Verlag Carl Ludwig Brede, Offenbach am Mayn 1814. Stichwort Leder, S. 581.
cite-note-22. ↑ Matthias Freitag: Regensburger Straßennamen. Mittelbayerische Verlagsgesellschaft mbH, Regensburg 1997, ISBN 3-931904-05-9, S. 136.